Anisotropie
Anisotropie bezeichnet die Richtungsabhängigkeit des Umformverhaltens eines gewalzten Blechs. Durch das Walzen und Glühen im Herstellprozess richten sich Gefüge und Kristallgitter so aus, dass sich das Blech längs, quer und in Dickenrichtung unterschiedlich verformt.
Senkrechte und ebene Anisotropie
Für die Blechumformung werden zwei Ausprägungen unterschieden. Die senkrechte Anisotropie gibt an, wie stark das Blech bei Zugbeanspruchung aus der Breite statt aus der Dicke nachfließt. Ein hoher Widerstand gegen Dickenabnahme ist beim Tiefziehen erwünscht, weil der Flansch sich dann leicht stauchen lässt, ohne dass die Zarge frühzeitig ausdünnt und reißt.
Die ebene Anisotropie beschreibt den Unterschied innerhalb der Blechebene zwischen Walzrichtung, Querrichtung und Diagonale. Ist sie stark ausgeprägt, fließt das Blech je nach Richtung unterschiedlich schnell in die Matrize ein (Zipfelbildung).
Bedeutung für die Methodenplanung
Wegen der Richtungsabhängigkeit ist die Lage der Platine zum gewalzten Band keine reine Verschnittfrage: Kritische Ziehpartien oder hoch beanspruchte Biegekanten verhalten sich je nach Walzrichtung spürbar anders. In der Umformsimulation gehört die Anisotropie deshalb zu den festen Eingangsgrößen der Werkstoffbeschreibung.
Verwandt: Tiefziehen · Ausdünnung · Platine