methodenplanung.de Fachglossar zur Methodenplanung in der Blechumformung

Methodenplanung

Die Methodenplanung legt fest, wie ein Blechbauteil gefertigt wird: in welchen Operationen es entsteht, in welcher Reihenfolge diese stehen und welche Werkzeugflächen den Materialfluss in jeder Stufe führen. Sie entscheidet damit über die Herstellbarkeit, noch bevor die erste Werkzeugkomponente konstruiert wird.

Begriff und Abgrenzung

Der Begriff stammt aus dem Werkzeugbau für Blechteile, vor allem aus dem automobilen Karosseriebau. „Methode“ bezeichnet hier nicht ein Verfahren im allgemeinen Sinn, sondern die konkrete Art und Weise, in der ein bestimmtes Bauteil hergestellt wird: die Summe der Entscheidungen über Operationsfolge, Werkzeugkonzept und Ziehanlage.

Die Methodenplanung ist von zwei Nachbardisziplinen zu unterscheiden:

Aufgaben

In der Praxis gliedert sich die Arbeit in einige wiederkehrende Aufgaben, die sich wechselseitig bedingen und deshalb nicht streng nacheinander abgearbeitet werden können:

Stellung in der Prozesskette

Die Methodenplanung setzt früh an: Sie beginnt, sobald ein belastbarer Bauteildatenstand vorliegt, und begleitet das Werkzeug bis zur Serienfreigabe. Ihre Ergebnisse werden im Methodenplan dokumentiert, der Werkzeugkonstruktion, Arbeitsplanung und Kalkulation als gemeinsame Grundlage dient.

Charakteristisch ist, dass die Arbeit in Schleifen verläuft. Ein Befund aus der Simulation kann den Entwurf der Zusatzform verändern, eine veränderte Zusatzform verschiebt die Platine, eine andere Platine wirkt auf die Materialausnutzung und damit auf die Kalkulation. Welche Stationen dabei durchlaufen werden, beschreibt die Seite Prozesskette.

Wogegen geplant wird: die Fehlerbilder

Die meisten Entscheidungen der Methodenplanung richten sich gegen eine kleine Zahl immer wiederkehrender Fehlerbilder. Reißer und Falten entstehen während der Umformung und sind am Bauteil unmittelbar sichtbar; Rückfederung und Einfallstellen zeigen sich erst nach dem Entlasten, Beschneiden oder Fügen. Eine Übersicht gibt der Bereich Fehlerbilder und Phänomene.

Erschwerend ist, dass die Gegenmaßnahmen einander widersprechen können: Eine Maßnahme, die Falten im Flansch unterdrückt, erhöht die Zugbeanspruchung im Bauteil und begünstigt damit Reißer. Die Planung besteht wesentlich darin, diesen Zielkonflikt für das konkrete Bauteil aufzulösen. Deshalb gibt es keine übertragbaren Richtwerte.

Werkzeuge der Methodenplanung

Gearbeitet wird mit CAD-Systemen für die Flächenmodellierung und mit Programmen zur Umformsimulation; verbreitet sind unter anderem AutoForm und LS-DYNA. Die Simulation hat die Rolle verändert, die der Try-out spielt: Was früher am Werkzeug eingearbeitet wurde, wird heute weitgehend im Modell abgesichert. Ersetzt hat sie ihn nicht: Die Einarbeitung am realen Werkzeug bleibt die letzte Instanz.

Wie diese Absicherung numerisch abläuft – Vernetzung, Materialmodelle, Reibung und Ergebnisgrößen – behandelt die Schwesterseite tiefziehsimulation.de. Diese Seite befindet sich noch im Aufbau.

Häufige Fragen

Was versteht man unter Methodenplanung in der Blechumformung?
Die Methodenplanung legt fest, über welche Fertigungsstufen (Operationsfolge) ein Blechbauteil aus der ebenen Platine entsteht und wie die formgebenden Werkzeugflächen in jeder Stufe gestaltet sein müssen, damit das Teil fehlerfrei und maßhaltig gefertigt werden kann.
Worin unterscheidet sich die Methodenplanung von der Werkzeugkonstruktion?
Die Methodenplanung entwirft den Umformprozess, die Stufenfolge und die formgebenden Wirkflächen (Ziehanlage, Addendum, Rückfederungskompensation). Die Werkzeugkonstruktion setzt diese Vorgaben anschließend in den mechanischen Werkzeugaufbau mit Gusskörpern, Führungen, Schiebern und Normteilen um.
Wann beginnt die Methodenplanung in der Prozesskette?
Sie setzt bereits in der frühen Bauteilentwicklung mit der Machbarkeitsanalyse ein, legt zur Angebots- und Konzeptphase den Methodenplan fest und begleitet das Projekt über die Umformsimulation bis zum Try-out und zur Werkzeugabnahme.

Weiterführende Literatur