Prozesskette: vom Datenstand zum Serienwerkzeug
Zwischen dem ersten belastbaren Bauteildatenstand und dem freigegebenen Serienwerkzeug liegen mehrere Stationen. Sie werden nicht streng nacheinander abgearbeitet, sondern in Schleifen durchlaufen, weil jede spätere Erkenntnis auf eine frühere Entscheidung zurückwirken kann.
Die Stationen
- Bauteildatenstand
- Die Konstruktion liefert die gewünschte Endgeometrie, zunächst oft noch unvollständig. Schon dieser frühe Stand reicht aus, um die grundsätzliche Machbarkeit zu beurteilen, und genau das ist der Sinn: Je später eine Änderung am Bauteil kommt, desto teurer wird sie.
- Machbarkeitsanalyse
- Erste Bewertung, ob sich das Bauteil im vorgesehenen Werkstoff überhaupt umformen lässt und wo die kritischen Zonen liegen. Ergebnis ist eine Aussage über Machbarkeit und der Hinweis auf nötige Bauteiländerungen.
- Methodenkonzept
- Festlegung von Ziehrichtung, Zahl der Stufen und Operationsfolge. Hier fällt die Vorentscheidung über Werkzeugkosten und Taktzeit, lange bevor konstruiert wird.
- Flächenentwurf
- Ausarbeitung der Ziehanlage: Zusatzform, Niederhalterfläche, Ziehkante, Sickenverteilung. Parallel dazu entsteht durch Rückrechnung der Umriss der Platine.
- Absicherung
- Nachweis per Umformsimulation, dass das Konzept trägt. Befunde führen zurück in den Flächenentwurf, bei grundsätzlichen Problemen auch in das Methodenkonzept.
- Kompensation
- Die Wirkflächen werden gegen die erwartete Rückfederung überhöht, sodass das entlastete Bauteil die Sollform trifft.
- Werkzeugkonstruktion und -bau
- Aus den Wirkflächen entsteht das mechanisch vollständige Werkzeug mit Führungen, Antrieben und Aufnahmen. Ab hier sind Änderungen deutlich teurer als zuvor.
- Try-out
- Einarbeitung am realen Werkzeug, bis das Bauteil die geforderten Maße und die geforderte Oberfläche erreicht. Abschluss ist die Freigabe für die Serie.
Warum es Schleifen sind
Die Stationen bauen aufeinander auf, aber jede liefert Erkenntnisse, die eine frühere Entscheidung infrage stellen können. Zeigt die Absicherung einen Reißer, kann die Antwort in einer veränderten Zusatzform liegen, in einer zusätzlichen Stufe oder in einer geänderten Bauteilgeometrie. Die ersten beiden bleiben in der Planung, die dritte führt zurück zur Konstruktion.
Charakteristisch ist, dass die Kosten einer Schleife mit jeder Station steigen. Eine Änderung im Methodenkonzept kostet Rechenzeit, dieselbe Änderung nach dem Werkzeugbau kostet Material, Maschinenstunden und Termin. Die Planung investiert deshalb bewusst Aufwand in die frühen Stationen, um spätere Schleifen zu vermeiden.
Wo die Verantwortung wechselt
Die Kette durchläuft mehrere Bereiche, die jeweils eigene Ziele verfolgen: Konstruktion, Methodenplanung, Simulation, Werkzeugkonstruktion, Werkzeugbau und Fertigung. An jeder Übergabe können Informationen verloren gehen oder Datenstände auseinanderlaufen. Welche Festlegungen dabei weitergereicht werden müssen, beschreibt die Seite Schnittstellen; das Dokument, in dem sie festgehalten werden, ist der Methodenplan.
Welche Rolle die Simulation in den Stationen Absicherung und Kompensation spielt, behandelt die Schwesterseite tiefziehsimulation.de. Diese Seite befindet sich noch im Aufbau.
Weiterlesen
- Operationsfolge – die Festlegung, die am Anfang steht
- Der Methodenplan – das Dokument, in dem die Kette festgehalten wird
- Schnittstellen zu Konstruktion, Simulation und Werkzeugbau – die Übergaben zwischen den Bereichen
- Try-out – die letzte Station