Schnittstellen zu Konstruktion, Simulation und Werkzeugbau
Die Methodenplanung sitzt zwischen mehreren Bereichen, die unterschiedliche Ziele verfolgen und mit unterschiedlichen Daten arbeiten. Ein großer Teil der Probleme in einem Werkzeugprojekt entsteht nicht in einem dieser Bereiche, sondern an den Übergängen dazwischen.
Konstruktion
Die Konstruktion liefert die Sollgeometrie und erwartet, dass sie herstellbar umgesetzt wird. Die Planung liefert zurück, wo das nicht möglich ist, und schlägt Änderungen vor.
Der Reibungspunkt ist der Zeitpunkt. Die Planung braucht früh einen Datenstand, um überhaupt etwas sagen zu können; die Konstruktion will erst liefern, wenn das Teil ausgereift ist. Beide Seiten haben recht, und beide verlieren, wenn sie auf ihrer Position beharren: Die Planung bewertet dann ein Teil, das sich noch ändert, oder sie bewertet zu spät, um noch etwas zu bewirken.
Praktisch bewährt haben sich frühe, ausdrücklich als vorläufig gekennzeichnete Stände mit einer Rückmeldung, die zwischen „muss geändert werden" und „wäre günstiger" unterscheidet. Siehe auch Machbarkeitsanalyse.
Simulation
Bei kleineren Organisationen sind Planung und Simulation dieselbe Person, bei größeren getrennte Rollen. Im zweiten Fall entsteht eine typische Lücke: Die Simulation rechnet, was ihr übergeben wurde, und meldet ein Ergebnis zurück. Ob die Annahmen zur Zusatzform, zur Rückhaltung und zur Reibung dem entsprechen, was die Planung im Sinn hatte, steht selten vollständig in der Übergabe.
Ein Ergebnis ohne seine Annahmen ist deshalb wenig wert. Zur Rückmeldung gehört, mit welchem Werkstoffmodell, welcher Reibung und welcher Sickenabbildung gerechnet wurde, denn genau das entscheidet, wie belastbar die Aussage ist.
Welche Annahmen ein Rechenlauf braucht und wie sie das Ergebnis prägen, behandelt die Schwesterseite tiefziehsimulation.de. Diese Seite befindet sich noch im Aufbau.
Werkzeugkonstruktion und Werkzeugbau
Die Planung übergibt Flächen und ein Konzept, die Konstruktion macht daraus ein mechanisch funktionierendes Werkzeug. Die Fragen, die dabei entstehen, sind selten umformtechnisch: Bauraum für Schieber, Führungen, Zugänglichkeit für die Bearbeitung, Gewicht und Transportierbarkeit.
Kritisch ist, wenn die Konstruktion aus solchen Gründen eine Fläche ändert, die die Planung aus umformtechnischen Gründen so gewählt hatte. Dass eine Fläche nicht beliebig ist, muss aus der Übergabe hervorgehen, sonst wird sie stillschweigend angepasst.
Umgekehrt kommt aus dem Try-out Information zurück, die nirgends sonst entsteht: wo tatsächlich nachgearbeitet wurde und wie weit. Diese Rückmeldung ist für das laufende Werkzeug zu spät, aber sie ist das Einzige, womit sich die Annahmen für das nächste verbessern lassen.
Datenstände
Die wiederkehrendste Störung ist banal: Zwei Bereiche arbeiten an unterschiedlichen Ständen desselben Bauteils. Das fällt oft erst auf, wenn Ergebnisse nicht zusammenpassen, und bis dahin ist Arbeit in die falsche Richtung geflossen.
Deshalb gehört in jede Übergabe, auf welchem Stand sie beruht, und in jedes Ergebnis, auf welchem Stand es gerechnet wurde. Der Methodenplan ist der Ort, an dem das zusammenläuft.
Weiterlesen
- Prozesskette: vom Datenstand zum Serienwerkzeug – die Stationen, zwischen denen übergeben wird
- Der Methodenplan – das gemeinsame Dokument
- Try-out – die Rückmeldung aus der Werkstatt
- Machbarkeitsanalyse – die frühe Rückmeldung an die Konstruktion