methodenplanung.de Fachglossar zur Methodenplanung in der Blechumformung

Abstellen und Bördeln

Gegen Ende der Operationsfolge werden die beschnittenen Blechränder aufgestellt oder umgelegt. Diese Operationen stellen Fügeflansche und Kantenabschlüsse her und liegen spät in der Folge, weil die abgewinkelten Ränder das Bauteil für vorherige Werkzeuge unzugänglich machen würden.

Die Begriffe

Abstellen
Ein Blechrand wird aus der Fläche heraus aufgestellt, meist annähernd rechtwinklig. Das Ergebnis ist ein Flansch, der später als Fügefläche dient oder dem Bauteil Steifigkeit gibt.
Bördeln
Ein bereits abgestellter Rand wird weiter umgelegt, bis er flach auf dem Bauteil aufliegt. Beim Falzen wird dabei ein zweites Blech eingeschlossen: So entsteht die Verbindung von Außenhaut und Innenteil bei Türen, Hauben und Klappen, ohne dass an der Sichtkante eine Schweißnaht nötig wäre.

Gestreckte und gestauchte Ränder

Entscheidend für die Schwierigkeit ist nicht der Umlegewinkel, sondern der Verlauf der Kante in der Draufsicht:

Beide Fälle sind Grenzfälle derselben Gegensätze, die schon die Ziehoperation bestimmen: zu viel Dehnung oder zu viel Stauchung. Entschärfen lassen sie sich über den Verlauf der Schnittkontur, über eine Aufteilung auf zwei Stufen oder durch eine Bauteiländerung.

Warum Schieber nötig werden

Eine Presse bewegt sich senkrecht. Ein Rand, der zur Seite aufgestellt werden soll, steht dieser Richtung entgegen und lässt sich mit einer geraden Abwärtsbewegung nicht herstellen. Keil- und Kurvenschieber lenken die Bewegung örtlich um.

Jeder Schieber beansprucht Platz, den das Werkzeug an anderer Stelle nicht mehr hat, und bringt bewegte Teile mit, die verschleißen. Wie viele Schieber ein Bauteil braucht, hängt an der Ziehrichtung, die ganz am Anfang festgelegt wurde. Damit wirkt eine frühe Entscheidung bis in die letzte Operation durch; siehe Operationsfolge.

Schnittkanten als Schwachstelle

Abgestellt und gebördelt wird fast immer an einer Kante, die zuvor beschnitten wurde. Diese Kante ist vorgeschädigt und verträgt weniger Dehnung als ungeschnittenes Material. Bei höherfesten Güten wird das zum bestimmenden Kriterium: Das Bauteil versagt dann an der Kante, obwohl die Fläche unkritisch bleibt.

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Weiterführende Literatur