methodenplanung.de Fachglossar zur Methodenplanung in der Blechumformung

Streckziehen

Beim Streckziehen wird der Blechrand festgehalten, sodass kein Material nachfließen kann. Die gesamte Formänderung muss aus der Dehnung der Fläche kommen. Das Blech wird dabei zwangsläufig dünner, bietet dafür aber eine formstabile, beulsteife Fläche.

Der Unterschied zum Tiefziehen

Beide Verfahren bringen eine ebene Platine in eine Raumform, unterscheiden sich aber darin, woher das Material kommt. Beim Tiefziehen läuft es aus dem Flansch nach, die Blechdicke bleibt weitgehend erhalten. Beim Streckziehen steht kein Flansch zur Verfügung, und jede Flächenvergrößerung geht zulasten der Dicke.

Daraus folgt eine gegenläufige Grenze: Das Tiefziehen scheitert daran, dass zu viel Material eingezogen werden muss und die Zarge die Zugkraft nicht mehr trägt. Das Streckziehen scheitert an der Ausdünnung selbst, weil das Material seine Formänderungsgrenze erreicht.

Im Grenzformänderungsschaubild liegen die beiden Zustände auf gegenüberliegenden Seiten: Tiefziehen links, wo sich das Material quer staucht, Streckziehen rechts, wo es in beide Richtungen gestreckt wird.

Warum es trotzdem eingesetzt wird

Die Mischform ist der Regelfall

Reale Karosserieteile sind selten eindeutig das eine oder das andere. In tiefen Bereichen fließt Material nach, in flachen wird gestreckt, und beides geschieht im selben Ziehvorgang. Die Zuordnung zu einem Verfahren beschreibt deshalb den überwiegenden Anteil, nicht die Mechanik jedes einzelnen Flächenstücks.

Für die Planung ist genau diese Mischung das Thema: Über die Auslegung der Ziehanlage lässt sich steuern, welcher Bereich welchem Zustand näherkommt. Wird ein beulgefährdeter Bereich stärker unter Zug gesetzt, gewinnt er Formstabilität, nähert sich aber der Reißergrenze. Das ist dieselbe Abwägung, die auch bei der Rückfederung auftritt.

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Weiterführende Literatur